Jule in Südafrika
8. Bericht
01.03.2012 – 31.03.2012
Der März war ein langer Monat, ich habe allerdings auch sehr viel erlebt. Angefangen hat der Monat mit einem sehr schönen Trip in die Cederberge. Wir haben uns einfach an einem Freitag morgen zu zweit in ein Auto gesetzt und sind die Westküste hochgefahren. Das schönste ist einfach, dass man wieder die Weite des Landes spüren kann, wenn man aus der Kapstadt Region hinaus fährt. In den Cederbergen hat man, außer ein paar Häuschen hier und da, einfach nur Natur, und ab und zu ein Auto. Kaum geteerte Straßen machen die Durchfahrt zum echten Abenteuer. Ich hatte das Gefühl, gar nicht mehr weiterfahren zu wollen, einfach stehen bleiben und alles vergessen. Sehr bekannt sind die Cederberge für ihren Rooibos. Rooibos, auch Rotbusch wird meistens für Tee benutzt, aber auch in zahlreichen Kosmetikartikeln. Als Tee soll er angeblich gegen alles helfen. - Schmecken tut er jedenfalls hervorragend.
Neben den wenigen Autos auf den Straßen haben wir ungewöhnlich viele Menschen zu Fuß laufen sehen. Freitag morgen sind uns eine Menge Jugendliche in ihren Schuluniformen aufgefallen, die wohl auf dem Weg in die nächste größere Stadt waren. Wir sind auch durch kleine Dörfchen gefahren, in denen es außer einem Mini–Supermarkt und einer Kirche sonst nichts gab. Das bedeutet für die Kinder und Jugendlichen, dass sie sehr viel früher aufstehen müssen, als es bei uns in Deutschland der Fall war, um pünktlich in der Schule zu sein. Dies ist mal wieder ein Punkt, in dem ich mein privilegiertes Leben zu Hause zu schätzen weiß. Zu Hause kam einfach jeden Morgen ein Bus der mich in die Schule brachte oder ich bin sogar selber gefahren. In diesem Punkt sind auch unsere Kinder im Kinderheim ziemlich privilegiert, sie werden auch jeden Morgen in die Schule gefahren oder müssen nur 2 Minuten bis zur Primary School oder 10 Minuten zur High School gehen.
Im Moment haben wir allerdings Ferien, Osterferien. Diese sind 2 Wochen lang. In der ersten der beiden Wochen waren alle Child Care Worker bei einem Training. Somit haben wir, die Volontäre, ihre Aufgaben übernommen. Unsere Aufgabe war es zu gucken, dass alle Kinder etwas essen, ihre Zimmer aufräumen, baden und das Haus sauber machen. Natürlich waren wir auch für die Freizeit der Kinder verantwortlich. Ein Programmpunkt war das Mixen von alkoholfreien Cocktails. Die Kinder hatten dabei großen Spaß und die Ergebnisse waren lecker. Ich war in dieser Woche an vier Tagen mit einer weiteren Volontärin für die Teenage Girls verantwortlich. Nach anfänglichen Zweifeln, haben wir nun unsere Arbeitstage gut erledigt. Es war für uns eine große Herausforderung uns gegenüber den Mädels zu behaupten, besonders was das Reinigen des Hauses angeht und die Essenszeiten. Sauber machen hat an sich gut funktioniert. Wenn die Küche im Chaos war habe ich zuerst einmal das Fernsehkabel und die Film-DVDs eingeschlossen. Das war immer ein gutes Druckmittel. Wir konnten dann auch durchsetzen, dass wir alle zusammen am Tisch essen und nicht vor dem Fernseher. An unserem letzten Arbeitstag waren die Mädchen ziemlich aufgedreht und zickig, doch sie haben ohne nochmalige Erinnerung ihr Mittagessen genommen und sich an den Tisch gesetzt. Ansonsten gab es keine größeren Diskussionen. Was allerdings nicht ganz so gut lief war die Zusammenarbeit mit den Social Workers die auch noch arbeiteten. Unser Social Worker sollte uns eigentlich unterstützen. Doch sie hat es vorgezogen sich die Mädchen zu Freundinnen zu machen und wenn es dann ums sauber machen ging war sie nicht aufzufinden. Da wir uns auf den Kampf ums sauber machen nicht eingelassen haben war es dann nun mal nicht sauber. Allerdings habe ich den Mädchen gesagt, dass es mit schmutziger Küche auch kein Abendprogramm gäbe, was in diesem Fall Cocktails sein sollten. Somit wurde dann doch geputzt. Jetzt im nach hinein habe ich das Gefühl, dass die am Anfang doch recht zickigen Kids uns jetzt auch respektvoll gegenüber treten. Auch wenn wir „nur Volontäre“ sind, nehmen sie unsere Ratschläge und Anweisungen ernst.
Ansonsten kann ich sagen, dass es jetzt zu Hause zeitweise wärmer ist als bei mir in
Afrika. Der Winter ist nicht mehr weit und der Sommer hat sich schon so gut wie verabschiedet. Es ist jetzt zwar wieder kälter und nasser, aber jetzt werden endlich die Pflanzen wieder grün und die Blumen fangen bald an zu blühen.Winterliche Grüße, Eure Juliane
Wer mir finanziell helfen möchte und meine Freiwilligenarbeit hier in Durbanville unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen eine Spende auf das Spendenkonto meines Trägers, den Sozialen Friedensdienst Kassel e.V., zu überweisen.
Kontonummer:1 0000 4464
Bankleitzahl:520 604 10
Verwendungszweck: Spende für Freiwilligendienste des sfd, Juliane Lamm
Wenn es jemanden gibt, der Bastelmaterialien hat und sie nicht mehr braucht, kann er sie mir auch gerne schicken. Die Mädels und ich würden uns über alles freuen.Vielen Dank!!!!
Meine Adresse, über Briefe freue ich mich nämlich auch:
Volunteer Juliane Lamm
1 Churchstreet
7550 Durbanville
Western Cape
South Africa
7. Bericht
01.02.2012 – 29.02.2012
So, der närrische Monat ist vorbei. Von Karneval und Fasching habe ich hier unten im Süden fast gar nichts mit bekommen. Nur der eine oder andere Volontär, der mit Heimweh auf die Berichte der daheim gebliebenen Narren reagierte. Ich muss sagen, ich habe es nicht vermisst. War mal ganz angenehm so ohne „Helau“ und „Alaaf“!
Ich habe statt dessen eine neue Leidenschaft entdeckt: das Gucken von Sonnenunter-gängen an verschiedenen Orten. Das erste Mal war ich mit zwei weiteren Volontären in Durbanville unterwegs. Wir wollten auf einen Berg hinauf laufen um dann dort die Sonne zu sehen. Als wir dann oben ankamen, standen wir vor einer Mauer aus Villen und konnten die Sonne nicht sehen. Dann wurden wir jedoch von einem netten Mann in sein Haus eingeladen um die Sonne von seinem Balkon aus zu sehen. Ehrlich gesagt haben wir uns in diesem Haus etwas unwohl gefühlt, da es für uns ungewöhnlich ist, bei fremden Menschen einfach eingeladen zu werden. Aber sie waren sehr herzlich zu uns und haben uns erzählt, dass sie auch ein Kind von uns sponsern. Einen weiteren Sonnenuntergang haben wir uns am Strand angesehen. Dort hatten wir eine sehr schöne Sicht auf die untergehende Sonne, mit Table Mountain im Hintergrund.
Ein sehr bekannter Platz für Sonnenuntergänge ist der Signal Hill in Cape Town. Dies ist ein Hügel auf den man mit dem Auto bis hoch fahren kann. Dort haben wir einmal während eines Picknicks die letzten Sonnenstrahlen genossen.
Bis April gibt es in Kirstenbosch im botanischen Garten Sunset Concerts. Dort saßen wi rauf einer großen Wiese und hatten auch unser Picknick dabei. Allerdings sind wir aufgefallen, weil wir leider keinen Designer Picknick Rucksack und auch keine Sektglashalterungen dabei hatten. Diese Veranstaltung ist eher für die „bessere“ Schicht der Gesellschaft.
Neben der Freizeitbeschäftigung Sonnenuntergänge zu bewundern, habe ich auch im Children's Home weiterhin viel zu tun. Ich habe jetzt mein eigenes Projekt. Es entwickelt sich zu einem Girls Club, so dass die Mädels eine Gruppe haben, wo sie unter sich sein können. Eigentlich war das die Perlen Gruppe, aber ein Teil der Kinder hat mehr Spaß mit anderen Dingen als mit dem Auffädeln von Ketten, sodass ich sie dazu auch nicht zwinge. Eigentlich sollen die gebastelten Dinge auch verkauft werden um dann neue Materialien zu erwerben. Ich finde es aber auch schön wenn ab und zu ein Kind das Gebastelte mitnehmen kann um es jemandem zu schenken oder um es selbst zu behalten. Ich würde gerne viele verschiedene Sachen mit ihnen basteln und mit unterschiedlichen Materialien arbeiten, aber an diese Materialien dran zu kommen ist recht schwierig. Es wollen zwar viele mit mir kooperieren, aber im Endeffekt kann ich mich dann doch nicht drauf verlassen. Aber ich bleibe dran und gehe allen auf die Nerven, bis ich meine Materialien zusammen habe. Ich hoffe, dass ich eine südafrikanische Volontärin als Unterstützung bekommen. Dann ist es mit den Materialien nicht allein meine Verantwortung. Es ist trotzdem eine gute Erfahrung wirklich selbstständig für eine Sache verantwortlich zu sein. Und ich denke, dass ich den Mädchen eine schöne Zeit machen kann, wenn es dann alles klappt. Ich denke, dass es auch für die Mädchen wichtig ist, mal unter sich eine Aktivität auszuüben ohne dass ständig die Jungen stören und die Mädchen verunsichern. Viele der Mädchen haben aufgrund ihrer Geschichte ohnehin eine belastete Einstellung gegenüber den Jungen. So, ich gebe nicht auf und versuche etwas schönes für die Mädels aufzubauen.
Was ich ich auch noch machen will, ist öfter mit einigen Kindern etwas unternehmen. Wir haben zum Beispiel zwei Mädchen mitgenommen um eine Volontärin, die im Urlaub war am Flughafen ab zu holen. Es tut den Kindern gut, ab und zu mal das Kinderheim zu verlassen.
Ich wünsche allen einen schönen März! Bis dann,
Juliane
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South Africa
6. Bericht
1. Januar – 31. Januar 2012
Nach einem guten Start im neuen Jahr, ging es nach den Ferien im normalen Arbeitsrhythmus weiter. Mit dem Schulbeginn warteten einige spannende Aufgaben aufmich. In der ersten Schulwoche durfte ich einen Jungen zu seinem ersten Tag an der neuen Schule begleiten. Er war für Grade One an einer anderen Schule und ist nun in Grade Two. Am Morgen bin ich ganz früh aufgestanden, habe mir etwas Ordentliches angezogen und bin zu ihm ins Haus gegangen, um zu sehen ob alles in Ordnung ist und er seine Schulkleidung trägt. Er war schon fertig und ziemlich aufgeregt. In die Schule fuhren wir dann mit dem Children's Home Bussie, zusammen mit den anderen Kindern.Vor der Schule angekommen hat mein Schulkind meine Hand genommen und nicht mehrl osgelassen. Das Ganze war so aufregend! Es war schließlich auch mein erster Tag in dieser Schule. Ich selbst wusste nicht wohin ich gehen muss, um dieses Kind anzumelden. Zum Glück gibt es noch mehr Kinder des Heimes, die diese Schule besuchen. Also hatte ich eine ganze Menge Kinder um mich herum, die mir den Weg zeigten, mich umarmt und mit mir gesprochen haben. Als dann auch ein fremdes Kind kam, um mich zu umarmen, wurde sie von einem meiner Mädchen ganz böse angeguckt.Schließlich sei ich ihre Volontärin. Das war ziemlich schön zu erleben, wie stolz die Kinder in manchen Momenten auf einen sein können. Für die Kinder ist es immer schön, wenn jemand für sie Zeit hat und sie nicht alleine sein müssen, wenn alle anderen Kinder ihre Eltern mitbringen. Natürlich bin ich in dem Fall kein Ersatz für die Mutter, aber eben auch eine wichtige Person im Leben des Kindes.
Ich habe noch ein weiteres Kind in die selbe Schule gebracht, welches ganz neu im Children's Home ist. Ich war einer der ersten Volontäre, der mit ihm gesprochen hat. Allerdings haben wir zwei ein Problem: Er spricht kein Englisch und versteht fast nichts von dem was ich sage. Das ist allerdings ein Ansporn für mich, endlich Afrikaans zu lernen. Im Moment lacht er nur, wenn ich meine wenigen Fetzen Afrikaans einsetze. Ich denke, wir werden beide lernen müssen. Er Englisch und ich Afrikaans. Ich habe ihn zu meinem Toy-Library Kind gemacht, das heißt, wir treffen uns einmal die Woche zur Spiel-Therapie. Somit sehe ich die Chance, im gemeinsamen Spiel miteinander Sprechen zulernen.
Eine weitere schöne und verantwortungsvolle Aufgabe war es vier Kinder zum Sportsday einer Primary School zu begleiten. Gemeinsam mit zwei weiteren Volontären fuhren wir dort hin. Es war sehr schön die Kinder anzufeuern und für sie da zu sein. Allerdings haben wir eins der Kinder verloren. Es war ein Mädchen, das von Anfang an zu ihrer südafrikanischen Volontärin gegangen war. Für mich war das ok gewesen, da ich die Frau kannte und dachte, dass es für das Mädchen wohl schöner sei, bei der Frau zu sein, die sie schon länger als uns kannte. Allerdings kam diese Frau am Ende des Tages mit der Tasche des Mädchens zu uns und meinte, sie wisse nicht wo sich das Kind befinde. Sofort zogen wir los und suchten das Mädchen. Wir waren erfolgreich. Allerdings war es ganz schön stressig, gleichzeitig noch auf die anderen Kinder aufzupassen. Fürs nächste Mal weiß ich dann, dass ich erst konkret die Verantwortlichkeiten klären muss, bevor ich ein Kind aus meiner Aufsicht entlasse.
Ansonsten freue ich mich schon auf den Herbst. Die Sonne ist zwar schön und warm, aber an manchen Tagen ist es wirklich zu heiß. Man kann einfach kaum etwas unternehmen. Ich versuche dann viel im windigen Schatten zu sein und reichlich Wasser zu trinken. Im Februar soll’s sogar noch wärmer werden. Unter den Volontären haben wir im Moment große Veränderungen. Viele der Freiwilligen, die mich seit dem Anfang begleitet haben, sind gegangen und viele neue sind angekommen. Jetzt heißt es wieder einen Platz in der neu entstandenen Gruppe zufinden. Also erst einmal Abschied nehmen, aber nicht für immer. Einige werde ich bestimmt wieder sehen. Ich wurde zum Beispiel schon in die Schweiz eingeladen. Aber andere werde ich bestimmt erstmal nicht wieder sehen, es war zwar eine schöne Zeit in Südafrika, aber dann geht doch jeder wieder in sein Leben zurück. Zur Verabschiedung hatten wir eine große Farewell-Party. Zusammen mit Alina, die auch im Office arbeitet, habe ich diese Party geplant. Eingeladen waren alle Mitarbeiter aus den Departements. Auch der Manager des Children's Homes war anwesend. Wir hatten einen Film als Dankeschön für die Volontäre vorbereitet, die uns verlassen und alle wichtigen Staffs hielten eine Rede. Somit wurden die doch wichtigen Menschen im Children's Home gebührend verabschiedet. Ich habe ja noch ein halbes Jahr vor mir, bis ich dann wahrscheinlich im letzten Bericht von meiner Farewell-Party erzähle. Bis dahin werdet ihr jedoch gewiss noch viel anderes von mir hören.
Liebe Grüße
Juliane
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5. Bericht
Dezember 1.12.2011 – 31.12.2011
Dezember, der Monat der Ferien. Seit Anfang Dezember haben wir Sommerferien. Viele Kinder sind nach Hause oder zu anderen Familienmitgliedern oder zu Holidayfriends-Voluntäre gefahren. Diese Kindern dürfen nach Hause, wenn überprüft wurde, dass die Kinder für eine gewisse Zeit sicher sind. Der Kontakt zu den Eltern und Berührungspunkte mit zu Hause sind ein wichtiger Punkt im System des Children's homes. Bei den Kindern, die im Heim bleiben müssen, konnten wirnicht sicherstellen, dass sie zu Hause ausreichend geschützt wären oder sie haben keinen Volontär der sie mitnehmen konnte.
Da nun in den Ferien nur 20 Kinder hier sind, gab es bereits vor den Ferien eine Weihnachtsparty mit Bescherung. Die Party wurde von Menschen außerhalb desChildren's homes organisiert und finanziert. Es gab eine Hüpfburg, eine Wasserrutsche und Karaoke. Zu Mittag wurde ein Spanferkel gegrillt. Da hatten die Kinder ihren Spaß und keiner blieb der Wasserrutsche fern. An diesem Tag wurden die Hauptgeschenke ausgepackt. Somit, kann man sagen, dass dieser Tag quasi der „Hauptweihnachtstag“ war.
Für mich war zu diesem Zeitpunkt noch lange kein Weihnachten, wobei es einige Events bezüglich Weihnachten gab. Es gab ein Christmas Concert bei dem ein Junge aus dem Heim mit zwei Opernsängerinnen Weihnachtslieder gesungen hat. Das war eine sehr schöne besinnliche Veranstaltung bei der am Ende das Publikum auch mitsingen durfte. Es gab dann Lieder wie „Stille Nag, Heilige Nag“ und „O,come, All ye faithful“. Dann wurden für die Volontäre 19 Tickets für ein Konzert gespendet, das in God Tv ausgestrahlt wurde. Diese Musik dort war total super. Es war ein klassisches Streichorchester, das durch eine Big Band Combo ergänzt wurde. Das heißt, neben den Streichern und Holzblasinstrumenten gab es auch noch Trompeten und Saxophone. Und natürlich Trommeln und ein Schlagzeug. Dann wurden von einigen Sängern bekannte Christmas Songs im Jazz Stil gesungen. Zwischendurch wurde immer mal wieder gebetet, auf eine Art und Weise, die mir eher fremd vorkam. Aber es war eine super Stimmung und am Schluss durfte man wieder mitsingen.
Am14. Dezember hatten wir unsere Volontär Christmas Party, als Dank für unser Engagement und unsere Arbeit die wir täglich leisten. Eigentlich hatten wir im Orgateam eine Gartenparty geplant. Allerdings hat uns das Wetter im Stich gelassen und es wurde eine Indoor Party. Wir haben dann den ganzen Boden mit Decken und Kissen ausgelegt und schön weihnachtlich dekoriert. Es gab Spielewie „Pass the parcel“ und „Pantomime“. Wir hatten leckeres Essen von der Küche und jeder hat einen Keyring mit dem Kinderheim Logo bekommen. Das war eine schöne Atmosphäre mit gemeinsamem Singen und schöner Klavierbegleitung. Am Heiligabend hatten wir Volontäre ein Weihnachtsessen. Jede Nationalität hat etwas zum Essen vorbereitet. Diesmal konnten wir dann sogar draußen essen und Secret Santa (Wichteln) spielen. Es gab Rösti, Turkey, Semmelknödel, Ente,Kartoffelgratin, Mince Pies, Plätzchen und vieles mehr.
Am Abend war ich mit drei weiteren Mädels in der Midnight Mass der Anglican Chruch Durbanville. Das war schön weihnachtlich und besinnlich. Ganz im Gegenteil dazu war die Kirche, zu der die Kinder am ersten Weihnachtstag gegangen sind. Ich habe sie begleitet. Es war ein Outing zur Christ Embassy ChurchCape Town. Dies ist eine Pfingstkirche. Für die Kinder war es sehr schön, da sie ganz besonders behandelt wurden. Es gab noch einmal Geschenke und die südafrikanischen Volontäre, die das organisiert hatten, haben sich sehr intensiv um die Kinder gekümmert. Für meinen Geschmack war allerdings diese Kirche nicht so toll. Ich fand die Art und Weise zu beten und die Auffassung des Glaubens etwas seltsam und es gab keine Musik. Auch fand ich es merkwürdig, als einer der Volontäre, ein junger Mann, einem Kind, das eher unruhig ist und auch eine leichte geistige Behinderung hat, die Hand auf die Schulter legte und ständig murmelte. Ich konnte immer nur „Amen“ verstehen. Es kam so rüber, als wollte er das Böse aus ihm austreiben. Ich habe mich sehr unwohl gefühlt.
Am zweiten Weihnachtstag sind wir mit ein paar Freiwilligen zum Strand gefahren. Uns fiel sofort auf, dass wir vergessen hatten, dass es Tradition unter den Farbigen ist, eine riesige Party mit Braai und Alkohol am Beach zu machen. Wir waren dann nahezu die einzigen weißen Menschen am ganzen Strand unter tausend farbigen Südafrikanern. Wir hatten auch kein Essen und keinen Alkohol dabei. Alkohol an öffentlichen Plätzen ist ja schließlich sowieso nicht erlaubt. So waren wir die Attraktion des Tages. Die Leute kamen und wollten Fotos mit uns. Beeindruckend war auch das Bild was sich am Wasser bot. 30 Menschen spielen mit einem Wasserball, schreien, quietschen und freuen sich. Als ich dann zum Wasser wollte, um im Meer zu schwimmen, war es eine Herausforderung hinein zu kommen. So viele Menschen am Wasserrand, die sich über die Wellen freuen und darüber,dass jetzt die Weißen ins Wasser gehen. Also wurde ich erstmal nass gespritzt. Als ich dann bis zum Bauch im Wasser war, wollte mich direkt jemand ins Wasser begleiten. Aber ich bin dann aus der Menge raus geschwommen und plötzlich waren wir Freiwilligen wieder alleine. Es stellte sich heraus, dass die meisten Farbigen gar nicht schwimmen können. Das muss ein merkwürdiges Bild gewesen sein: Beach, Menschen, Wasser und dann wir Freiwilligen weiter im Wasser. Das war auf jeden Fall eine Erfahrung wert.
Am 27.12 hatte ich auch noch frei. Wir haben die Gelegenheit genutzt und sind zu einer Krokodilfarm gefahren. Da habe ich ein Baby-Krokodil auf dem Arm gehabt.Die Haut von Krokodilen fühlt sich ganz weich an. Somit habe ich schöne Weihnachtstage erlebt, die mal ganz anders waren als zu Hause.
Dann hatte ich am 30. Dezember meine erste Tagschicht. Es war ein Ausflug zum Strand geplant. Also fuhren wir am morgen mit zwei Bussen, mit mir als Fahrer in dem einen, zum Strand. Es war schönes Wetter und die Kinder hatten Freude am Meer, Sand und an den Muscheln.
Silvester war dann ebenfalls etwas Besonderes. Ich musste von 7- 14 Uhr Tagschicht arbeiten. Am Abend waren wir dann zum New Year's Eve Dinner in einem Restaurant in Durbanville, es war sehr lecker. Nach dem Essen, um 22 Uhr, sind wir dann nach Kapstadt gefahren. Auf den Straßen war eine Stimmung wie Straßenkarneval. Es gab sogar eine Parade mit Blasmusik und Straßentanz. Aus allen Clubs und Bars dröhnte Musik auf die Straßen und fast alle waren gut gelaunt. Leider nur fast alle, wir haben auch eine Schlägerei beobachten können, die aber schnell wieder auseinander ging. Ich musste auch trotz der guten Laune besser auf Handtasche und Freunde achten. Sehr deutlich konnte ich hier die Armut mancher Menschen sehen, die den Abend nutzen wollten um zu betteln. Ich fühlte mich in manchen Situationen sehr beobachtet und wir wurden auch einige Male angesprochen. Vorsichtshalber haben wir dann einfach die Richtung gewechselt. Somit hatte ich auch an Silvester (am anderen Ende der Welt) schöne Stunden.
Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr und viel Glück und Gesundheit fürs Jahr 2012!
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Im Moment befindet sich das Kinderheim, somit auch ich, in einer sehr stressigen Phase: Die Vorweihnachtszeit! Das Programm im November bestand hauptsächlich daraus so viele Spenden, in Form von Geschenken, Essen oder Geld, wie möglich einzutreiben. So bin ich zum Beispiel mit ein paar anderen Volontären in einem Einkaufszentrum gewesen, um dort in den Geschäften zu fragen, ob sich das Children's Home um Spenden bewerben kann. Das Fundraising Departement veranstaltet im Jahr immer mehrere Events, um Spender zu gewinnen. Jetzt im November gab es ein sehr großes Event: den „Golf Day“.
Beim Golf Day haben alle Golfspieler eine Summe an Geld bezahlt, um spielen zu können. Normalerweise muss ein Golfspieler auch bezahlen, aber an diesem Tag war die Summe höher, sodass das überzählige Geld ans Children's Home ging. Ich saß dann den ganzen Tag unter einem Sonnenschirm auf dem Golf Course und habe die Golfer mit Cooldrinks und Hotdogs versorgt. Da hatte ich sehr viel Zeit das Treiben zu beobachten. Aufgefallen ist mir, dass manche von den Golfern sehr arrogant waren. Die haben noch nicht mal mit uns geredet, sie haben nur verlauten lassen,dass sie gerne etwas zu Essen und zu trinken haben möchten. Andere dagegen waren total nett, und haben uns auch mal einen Abschlag machen lassen. Ich könnte sagen, dass es ein sonniger entspannter Nachmittag war. Was mich allerdings nachdenklich gemacht hat, war die Tatsache, dass viele der Golfer ihren farbigen Taschenträger dabei hatten. Es gab auch reiche farbige Golfer, da ist mir das mit den Taschenträgern nicht aufgefallen. Ich weiß zwar nicht wie viel sie als Träger gezahlt bekommen, aber sie sind bestimmt dankbar, dass sie diesen Job haben. Andererseits fand ich es schon bedrückend, dass diese Männer sich zum Teil nicht getraut haben, für sich auch eine Wasserflasche zu holen. Sie sahen aus als hätten sie Angst vor ihrem Golfer. Ich muss dazu nochmal anmerken, dass es ein richtig warmer Tag war. Wir haben uns dann überlegt ihnen das Getränk einfach direkt anzubieten, dann haben sie es dankend angenommen. Es gab allerdings auch diejenigen Golfer, die für ihre Träger direkt ein Wasser mit geholt haben und auch fragten, ob sie ein Hotdog möchten.
Später nach dem Golfen gab es ein Abendessen und eine Versteigerung. So etwas habe ich noch nie erlebt. Es wurden Gegenstände zu Gunsten des Children's Homes versteigert. Da waren zum einen Glasvasen und Gläser und andere Küchenutensilien, zum anderen gab es signierte Rugby Gemälde und Trikots und einen Einkaufswagen voll mit Müsli und Keksen. Die Versteigerung ging also los. Die Preise für die Gegenstände gingen in die Höhe. Da wurden diese Gläser, die jeder im Supermarkt für 100 Rand kaufen könnte, für mehrere tausend Rand versteigert. Immer wenn die Versteigerung langweilig wurde hat jemand seine ersteigerte Ware zurück in die Versteigerung gebracht. Am lustigsten war dieVersteigerung von diesem Einkaufswagen. Den wollte eigentlich niemand so richtig haben. Aber er wurde auch zweimal versteigert. Am Ende hat einer der Volontäre gefragt, ob wir den Wagen mitnehmen können, fürs Children's Home. Jetzt sind die Müslis in den Esspaketen der Kinder gelandet, die sie über Weihnachten mit nach Hause nehmen. Diese Versteigerung hat sich für die Kinder auf jeden Fall gelohnt. Probleme hatten nur die Golfer. Sie haben alle etwas zuviel Alkohol getrunken, sodass dann am nächsten Morgen die Anrufe kamen um zu fragen, was wer alles gekauft hatte. Aber unterschrieben ist unterschrieben und somit gekauft!
Ein weiteres Event war die Schoolleaver Function. Die Schule hört am 9. Dezember auf. Das bedeutet, dass dann alle Schoolleaver das Children's Home verlassen. Also gab es eine Abschiedsparty, bei der die 6 Abschlussschüler nochmal richtig gefeiert wurden. Sie haben eine Kiste mit Erstausstattung für die erste eigene Wohnung bekommen. Es gab Töpfe und Decken und was man sonst noch braucht. Vom Children's Home hat jeder als Erinnerung ein Fotoalbum geschenkt bekommen. Ich hatte die Ehre und durfte diese Alben machen. Jetzt, da alle Examen geschrieben sind, ziehen die Schoolleaver schon um und kommen nur noch ab und zu um sich von allen zu verabschieden.
Zu Weihnachten gehört auch, dass man in die richtige Stimmung kommt. Die Kinder haben seit dem 1. November einen Adventskalender und jeden Tag gab es eine Weihnachtsaktion. Entweder gab es etwas Süßes zum Essen, Weihnachtslieder oderein Spaßaktion. Das Kinderheim wurde geschmückt, sodass jedes Haus einen Weihnachtsbaum hat. Täglich kamen Geschenke, die sortiert und den Häusern zugeordnet werden mussten. Auch gab es schon ein Krippenspiel, das die Kinder vorgeführt haben, und viel gemeinsames Singen. Die meisten Kinder freuen sich auf die Weihnachtsferien, weil sie dann nach Hause dürfen. Andere sind traurig, weil sie bei uns bleiben müssen. Da heißt es für uns, den Kindern die Zeit hier so schön wie möglich machen. Es wird viele Outings (Ausflüge) geben und ansonsten Spaß auf dem Gelände. Mehr zu Weihnachten gibt es dann im nächsten Bericht.
Ich wünsche allen „Geseënde Kersfees!“ und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bis dann.
Liebe Grüße, Juliane
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Dies ist der Blog zu meinem Freiwilligendienst in Durbanville bei Kapstadt.
Viel Spaß beim Lesen!
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16. Juni 2011, 22:36 |
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Am 23. August fliege ich nach Kapstadt.
Das erste Vorbereitungsseminar ist schon vorbei. Jetzt heißt es Visum beantragen, letzte Arzttermine ausmachen und den ganzen Papierkram, wie Versicherung usw., klären.
Und natürlich sich mit dem Land Südafrika beschäftigen. Die Spannung wächst.
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